Offiziersausbildung in Baku, Offiziersschüler der VM am Kasp

Das Leben und Studium an einer sowjetischen Lehreinrichtung

Offiziersausbildung in Baku, Offiziersschüler der VM am Kasp

Beitragvon kirovzi » Sa 4. Apr 2009, 21:07

Thema: Offiziersausbildung in Baku, Offiziersschüler der VM am Kaspi
Die 80-iger Jahre

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e-mail von Torsten D. / Dienstag, 10. März 2009

hallo M.,

du hattest mich über das nva-forum kontaktiert mit der bitte mich auf unserer seite zu melden. ich bin gerne bereit, über meine zeit in baku zu berichten. aber ob ich alles noch so zusammen bekomme, wie z. b. yachtsman, wage ich zu bezweifeln. es verwundert mich sehr, wie genau und präziese die ausführungen von besagtem kollegen sind. und er war ja viel früher in baku als ich. wenn du mir genau mitteilst, was du wissen willst, werde ich versuchen alles so gut wie möglich zusammen zu fassen. ich stehe noch mit ein paar mitstreitern aus meinem kurs in verbindung. nötigenfalls werden wir alle zusammen über unsere zeit in baku berichten. es gibt sicher die eine oder andere episode zu berichten. mir wurde z. b. in baku der blinddarm entfernt, das war eine op kann ich dir sagen. doch dazu später.
also wie gesagt, ich bin gerne bereit meinen beitrag zu leisten. Andererseits fehlt mir leider die zeit um so ausführlich zu berichten wie z. b. yachtsman.
zu den dienstgraden meines jahrganges kann ich folgendes sagen:
v. kurs os 1. studienjahr
1. kurs os 2. studienjahr
2. kurs os 3. studienjahr
3. kurs os 4. studienjahr
4. kurs leutnant
es gab auch die 5 balken. aber meiner meinung waren es nur die abgangsjahrgänge 88 und 89. für uns war das 4. studienjahr angenehmer. wir waren ja keine "kursanten" mehr, sondern offiziershörer. vor allem bei den vorlesungen machte sich das bemerkbar.
du wolltest noch einiges über unseren aufenthalt in riga und die staatsexamen wissen. also nachdem klar war, das in baku definitiv schluss ist, machte man sich gedanken was mit unserem jahrgang passiert. wir waren ja so gut wie durch mit der ausbildung. das letzte semester war ja nur noch vorbereitung auf die examen. wir waren ca. 8 wochen in riga. und ich muß sagen, es war wie urlaub. im prinzip standen die noten schon fest. jede spezialnost hattte einen fachlehrer dabei, die natürlich unseren ausbildungsstand genau kannten. die examen in diesen fächern waren dementsprechend aufgebaut. um die form zu waren zog jeder sein briefumschlag mit den fragen und dann unterhielt man sich über gott und die welt. anders in taktik, da mußten wir schon unsere fragen korrekt beantworten.
Ansonsten war der alltag recht locker. keine militärische ausbildung usw, jeden tag landgang. ich muß sagen riga ist eine schöne stadt, halt ne hansestadt. hat mich an stralsund oder rostock erinnert, jedenfalls die altstadt. dann waren wir viel am strand der gleich in der nähe war. haben den militärstützpunkt genau kennengelernt auf dem wir untergebracht waren. haben dort z. b. noch alte deutsche u-boote entdeckt, aber auch neue für den export bestimmte. hatten uns gewundert, warum alles in russischer und englischer sprache beschriftet war. es handelte sich dabei um ein boot für die indische marine. das essen war genauso schlecht wie in baku. aber wir hatten ja genug fressalien mitgebracht.
ja und nach bestandenen prüfungen wurden uns die diplome "feierlich" überreicht. dazu reiste extra eine deligation der schulleitung aus baku an. naja ich weiß nicht wie das in baku gewesen wäre, aber in riga war es halt eine diplomübergabe mehr nicht.
den bericht über die "auflösung" der einheit in baku kann ich nur bestätigen. sämtliche elektrischen geräte usw. wurden an die sowjetischen kursanten verschenkt. unterlagen und dokumente, die nicht unbedingt mit in dei heimat mußten wurden vernichtet. man kam sich stellenweise wirklich wie beim rückzug vor. die maschine die uns abhollte, wurde wirklich von uns selbst beladen, parallel dazu die betankung. normalerweise ein unding. aber die piloten wollten nicht länger als notwendig dort unten bleiben.hatten wohl ein bisschen schiss. dann kann ich mich erinnern, das es in kiew ein paar probleme mit unseren pässen gab. wir sind ja normal mit linienflug über moskau nach baku. hatten ja auch die nötigen einreisestempel. bei der ausreise aus baku hatte man auf korrekte unterlagen nicht mehr geachtet, keine zollabfertigung usw. rein in die maschine und raus aus baku war die devise. und im nachhinein bin ich auch froh, das wir da gut raus gekommen sind. einige kollegen von uns , die dort unten geheiratet haben, hatten uns von ihren angehörigen berichtet, was da unten abging, teilweise mit fotos belegt. grauenhaft und unbeschreiblich. gebrodelt hat es da unten ja schon immer, aber 1989 ging es dann los. die stadt besetzt von luftlandetruppen aus moskau. an jeder strassenecke panzer usw. für uns bedeutete das eingeschränkten landgang usw. nur noch für das nötigste in die stadt. du kannst dich doch bestimmt noch an die kadettenschule hinter unserer unterkunft erinnern. du glaubst gar nicht was für ein hass uns von diesen kindern entgegen kam. ab und zu flog auch mal ein pflasterstein zu uns rüber. borja ist ja auch noch ein begriff. wenn es in ganz baku kein bier gab, für seine deutschen freunde hatte er immer eine flasche. die wurde dann in seinem laden heimlich getrunken. und diesen armen kerl haben sie so fertig gemacht, das er auch zurück nach armenien ist. im prinzip hatte er noch glück, das sie ihm nur seinen laden kurz und klein gehauen haben, und er mit einem blauen auge davon gekommen ist. es war ziemlich traurig als er sich von uns verabschiedet hat.
so das soll es erst einmal von mir gewesen sein. wie gesagt wenn du fragen hast oder das eine oder andere genauer wissen willst, melde mich bei mir.

bis dann T.
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e-mail von Jan B. / Dienstag, 23. März 2009

Wie war unser Studium 1984 - 1988 gegliedert.

Nach der Einberufung im August 1983 und allgemeinen Grundausbildung an der OHS wurde unser Kurs bis zum Jahreswechsel 1983/1984 insbesondere in der Fächern Mathematik, Physik, Russisch und natürlich M/L auf das Auslandsstudium vorbereitet.
Im Januar 1984 erfolgte dann die Versetzung nach Baku. Dort absolvierten wir dann ein sogenanntes Vorbereitungssemester (Podgotowitelniy Kurs) als Offiziersschüler des ersten Studienjahres.
Mit dem Sommersemester 1984 begann dann unser reguläres Studium in Baku. Das Studium teilte sich wie üblich in zweijähriges Grundlagenstudium und in das sich anschließende spezialfachliche Studium.
Soweit ich mich erinnere, war unser Jahrgang der Erste in dem für Offiziersschüler der fünfte Balken für das 5. Studienjahr verliehen wurde.
Im Sommer 1986 absolvierten wir unser sogen. Kreuzerpraktikum welches uns von Leningrad über die Ostsee - Nordsee - den Golf von Biskaya bis in das Mittelmeer nach Algerien (Oran) führte.
Im Ablschlussjahr 1988 gelang unseren Eltern die Organisation einer Urlaubsreise zur Diplomverleihung.

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Re: Offiziersausbildung in Baku, Offiziersschüler der VM am Kasp

Beitragvon yachtsman » So 12. Apr 2009, 14:14

Hallo Thorsten,

das sind ja ganz schön spannende, wenn auch eher traurige Geschichten, die Du berichtest.
Aus dem Erzählen von Freunden weiß ich, dass es 1986 mit Pogromen gegen die armenische Bevölkerung anfing (zuerst Sumgait, dann leider auch Baku) :cry:
Dass es 1989 noch immer so schlimm war, wusste ich bisher noch nicht. Waren denn die gesamten Jahre von 86 bis 89 für euch mit solchen Einschränkungen verbunden? Wie war die Reaktion des Lehrkörpers und der Schulleitung?

Gruß yachtsman
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Re: Offiziersausbildung in Baku, Offiziersschüler der VM am Kasp

Beitragvon k0335 » So 12. Apr 2009, 21:25

Moin zusammen,
jedenfalls wurde es Ende 1989 ... Frühjahr 1990 so schlimm mit der Situation in Baku, daß unser letzter Verteidigungsminister(Herr Eppelmann) entschied, uns ausfliegen zu lassen. Mit einer einer IL-62 Regierungsmaschine direkt von Baku (Zwischenstop in Kiev)nach Marxwalde(jetz Neu-Hardenberg). Da gab es eine Jagdfliegerstaffel. Wir haben sogar Kühlschränke verladen (so eilig und hektisch war die Flucht denn doch nicht....) und damit jede Menge aserbaidshanische Schaben exportiert. Die Auswirkungen der Unruhen solange wir noch in Baku waren: Landgangssperre und sowjetische Kursanten, die ständig ausrücken mußten. Regelrecht Angst hatte ich eigentlich nie.
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Re: Offiziersausbildung in Baku, Offiziersschüler der VM am Kasp

Beitragvon yachtsman » Di 14. Apr 2009, 23:15

Moin k0335,

gab es irgendwelche Reaktionen des Lehrkörpers oder der Schulleitung (Erklärungen, Ablehnungen etc) auf die Ereignisse??

Gruß yachtsman
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Re: Offiziersausbildung in Baku, Offiziersschüler der VM am Kasp

Beitragvon kaspi » Sa 2. Mai 2009, 11:32

Soweit ich weiss, gab es keine offiziellen Äußerungen des Lehrkörpers. In persönlichen Unterhaltungen (z.B. mit den Russischlehrerinnen, zu denen wir einen fast schon "familiären" Kontakt hatten) wurde aber auch nur ohnmächtig von "Kaschmar" etc gesprochen. Keiner konnte das verstehen oder hätte es für möglich gehalten, dass es zu solchen Auschreitungen kommt.Solche Sprüche an Häuserwänden sagen alles (1989)...
Bild31.jpg
Parallelen zu Deutschland im 3. Reich?
Bild31.jpg (48.53 KiB) 11532-mal betrachtet

Panzer im Stadtzentrum
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Panzer im Stadzetrum von Baku, Herbst 1989
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Re: Offiziersausbildung in Baku, Offiziersschüler der VM am Kasp

Beitragvon Jantar » Di 25. Aug 2009, 10:44

Hallo alle Zusammen!

Nachdem ich mich ja schon mal kurz vorgestellt habe (Zentrale Pinnwand), möchte ich etwas zum Leben meines Kurses berichten. Kurz vorweg; trotz aller Strapazen erinnere ich mich gerne an die Zeit in Baku.
Es war ohne Übertreibung die Schule meines Lebens. Die Erfahrungen helfen in der heutigen Zeit ungemein.

Jetzt zum Thema:
Wir sind im August 1986 in Baku angekommen. Unser Kurs unterteilte sich in 5 Hydrographen (G1G) und 5 Funkmesstechniker G6). Wenn ich mich so recht erinnere ist einer nach dem V-Kurs von den G6ern aus gesundheitlichen Gründen (Rücken?) ausgestiegen. Im allgemeinen verlief die V-Kurszeit so, wie hier oder im NVA-Forum beschrieben. Obwohl ich sagen muß, das mit uns eine neue Generation von "Jugend" in Baku aufgeschlagen ist. Einige Anweisungen und "Sachen" wurden nicht mehr so bedingungslos und gehorsam hingenommen (z.B. wenn einige älteren "Stadtschläfer" nicht den erhofften Beischl... bekammen, wurde das beim Reinschiff an den Ausführenden ausgelassen, was letzendlich zu Abwehrhaltungen und mit allen Konsequenzen führte, wir haben es nicht gemacht, uns gewehrt und mit N.U. bestraft). Der Umgang innerhalb der DDR-Gruppe war trotz aller milit. Korrektheit in einigen Situationen recht unverständlich.

Die Marineführung hatte schon ganz schön Mühe zehn OS für das Studium Zusammenzubekommen (P.S. Nach uns wurde kein neuer V-Kurs rekrutiert, erst ein Jahr später). Tolle Geschichten wurde uns an der Schanze erzählt und wir kamen in Baku wie die Frisöre an und damit auch der Schock in jeder Beziehung.
Da unsere ersten Zimmer im ehemaligen Vietnam-Trakt waren und längere Zeit ein einsames unbewohntes dasein fristeten wurden zwei Tage lang mit Müllschippe und Eimer die "netten Tierchen" beseitigt. Während dessen campierten wir im Kulturraum.

Dann das erste Essen in der Stolowaja.... Ich will nicht sagen das alles schlecht war, aber vieles sehr grenzwertig. Der Mensch ist halt ein Gewohnheitstier... Nach einen Santschast-Aufenthalt wusste ich das Essen in unserer Stolovaja wieder zu schätzen. Nach jedem Urlaub bedarf es wieder einer neuen "Eingewöhnung". Achso - irgendwo hier oder im NVA-Forum habe ich was mit einer eingebackenen Maus gelesen, das war beim Klassenkumpel "Bummi". Sehr lecker.....

Ja was noch so allgemeines, jedes Jahr um die Weihnachtszeit kam eine Delegation aus Moskau. Wir nannten sie immer Weihnachtsmänner. Die versuchten einen immer ein X vorm U vorzumachen. So meine Erinnerungen.

Erst mal alles für jetzt.... Die Arbeit ruft. Später mehr

Gruß Jantar
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Re: Offiziersausbildung in Baku, Offiziersschüler der VM am Kasp

Beitragvon Jantar » Di 25. Aug 2009, 13:47

Hallo da bin ich wieder,

So nun weiter im Text. Der erste Kurs verlief schon einfacher und viel ruhiger. Und so gegen Ende des ersten Kurses 1988 begann auch der Konflikt zwischen Armeniern und Aserbaidshanern (oben schon ganz gut beschrieben) und mit eigenen schrecklichen Erlebnissen beim Landgang , z.B. das Abbrennen der armenischen Kirche in der Stadt. Ich und eine Bekannte in der Nähe. Wir hatten echt Angst um Leib und Leben. Der fanatische Mop hat vor nichts halt gemacht. Alles was nicht in Ihre etnischen Vorstellungen passte wurde verfolgt. Es fanden regelrechte Treibjagten nach Armeniern oder nicht aserbaidshanisch aussehenden (wie die das erkannt haben wollen, frage ich mich heute noch) Bürgern statt.

Das hieß für uns Ausgangssperre über Wochen. Unsere Voräte an "Spaßmachern" schwanden und besorgen konnten wir auch keins so ohne weiteres. So kamen wir auf die Idee uns die "Spaßmacher" selbst herzustellen. In der Stolovaja wurden die riesigen Saftgläser und Zucker gekauft. Von zu Hause kam Trockenhefe. Die Kälterei "Kirov" nahm ihren Betrieb auf. Mit jedem Glas wurde der Wein besser. Natürlich waren die Gläser gut versteckt. Jeder der in die Stube kam, roch aber schon was Fase war. Zu unserer Hochzeit hatte jede Stube so um die vier Gläser am gähren.

Dann kamen auf einmal unangemeldet mitten im Oktober die "Weihnachtsmänner". Nach anfänglichen üblichen Prozedere wurde Stubendurchgang angesagt. Ohne nur einen Blick auf das Zimmer zu werfen steuerten die Herren auf die Verstecke unserer Gläser zu und "gruben" sie aus.
Ja danach gab es ein Haufen Theater; Wein weggießen und Strafen, Aussprachen vorm GÄ mit fast Exmatr. usw... Im Kurs über uns wurden einige Kameraden nicht zum Leutnant befördert und mußten mit fünf Balken rumlaufen.... Im Nachhinein betrachtet waren die verhängten Strafen unangemessen.
Naja will es jetzt nicht noch weiter auswälzen. Wenn Ihr noch mehr wissen wollt, könnt Ihr ja fragen.

Irgendwann mitten im Semester des zweiten Kurses wurde die DDR-Gruppe in Fakultäten aufgeteilt und Untergebracht. Wir G1G kamen in ein neu gebautes Wohnheim. Nur noch zu zweit im Zimmer mit eigenen WC. Ich als Kursältester hatte eine Bude für mich allein, auch mit WC.

Dazu aber beim nächsten mal mehr...


Gruß Jantar
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Re: Offiziersausbildung in Baku, Offiziersschüler der VM am Kasp

Beitragvon kaspi » Di 25. Aug 2009, 21:36

Ich muss Jantar hinsichtlich der letzten Kurse korrigieren: im August 1987 und September 1988 starteten die letzten V-Kurse. 1989 wurden keine OS mehr nach Baku geschickt.
Hinsichtlich des Verhältnisses des V-Kurses zu den älteren Kursen (1. Kurs ausgenommen): Es war echt enttäuschend, was man dort erleben durfte von einigen angehenden "Führungskräften"... Diese hatten anscheinend Freude an Schikane und Machtspielchen.
Aber man musste sich Ende der 80-er auch nicht mehr alles gefallen lassen - aber das ist vielleicht sogar einen eignen Thread wert.
kaspi
 
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Re: Offiziersausbildung in Baku, Offiziersschüler der VM am Kasp

Beitragvon Jantar » Do 27. Aug 2009, 16:13

Hallo,

jetzt habe ich wieder ein paar Minuten, um ein paar weitere Zeilen über Baku zu schreiben. Mir ist im Nachhinein noch eingefallen, dass mit uns noch vier Ungarn ein Studium in Baku begonnen haben. Das waren Kader für die im Aufbau befindliche ungarische Donauflottille. Naja wir haben uns natürlich Anfangs köstlich darüber amüsiert. Ein Binnenland schickt Leute zum Studium auf eine Hochschule der Seestreitkräfte. :lol: Das waren aber dufte Kameraden.

Über das Verhältnis der Kurse untereinander, so wie von Kaspi vorgeschlagen, einen eigenen Thread zu eröffnen, kann man ja noch mal darüber nachdenken, auch das war Baku. Wir werden ja sehen ob es bei Euch Anklang findet.

Im 70iger Thread habt Ihr schon eine Menge zur Freizeitgestalltung und Aktivitäten, die das Leben wärend unseres Aufenthalts erleichterten, geschrieben. Ich kann ja in meinen Bericht auch noch eine Menge dazu beitragen. Vielleicht kann mir jemand im Vorfeld sagen, ob es rechtliche Bedenken bei eingestellten Fotos gibt. :?: Es sind ja auch Leute darauf, die nicht hier im Forum aktiv sind und das auch vielleicht nicht wollen. Wenn ich diese Personen mit schwarzen Balken versehe, bleibt ja nicht mehr viel vom Foto übrig.

Währe darüber echt Dankbar...

Bis demnächst Jantar
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Re: Offiziersausbildung in Baku, Offiziersschüler der VM am Kasp

Beitragvon Jantar » Fr 28. Aug 2009, 23:27

Hallo alle Zusammen,
hallo Micha,

vielen Dank für deine Mail. Die entsprechenden Antworten zu unserem Kurs teile ich dir in einer Mail oder PM mit.

Eigentlich wollte ich hier nur eine chronologische Abfolge meines Studiums wiedergeben. Mir fallen aber nach und nach immer mehr Erlebnisse ein und je länger ich mich gedanklich damit befasse, komme ich mehr und mehr zu dem Schluss, dass es langweilig werden könnte. Im Großen und Ganzen war der Alltag, mal abgesehen vom Unterricht in den Spezialrichtungen, bei allen fast gleich. Ich möchte deshalb die Chronologie mit meinen Gedanken versehen und aus meinen Blickwinkel berichten; also subjektiv und nicht immer Eurer Meinung oder Anschauung entsprechend. Falls dies doch für Euch langweilig werden sollte, teilt es bitte mit, denn genau das will ich verhindern. Natürlich werde ich versuchen alles in der richtigen Reihenfolge zu bekommen. Sachdienliche Hinweise und Korrekturen sind willkommen, entfachte Diskussion erwünscht.

Hallo Micha,
hier die erste Antwort auf Deine Frage „früher Leutnant werden“.

Meines Wissen und meiner Schlussfolgerungen auf das Erlebte folgendes:
Der Entschluss der Marineführung (oder der NVA) OS nach dem 4. Studienjahr zum Leutnant zu befördern kam so um 1988. Nachdem zwei Kurse ihr Studium mit 5 Balken beendet hatten (AJ 1988 und AJ 1989) wurde der AJ 1990 gleichzeitig mit AJ 1989 zum Leutnant ernannt (Ernennung an der Schanze nicht in Baku). Davor war es noch so wie bei Euch. Den letzten Kurs Stabsobermeister (AJ 1987) habe ich noch als V-Kurs`ler kennengelernt.
Die Gründe für diese Entscheidung meiner Meinung:
1. Moralische Gründe
2. Gleichberechtigung zwischen Schanze und Ausland
Ich denke aber der erste Punkt hatte eine größere Gewichtung. Ende der 80iger OS für Baku zu finden war schon richtig schwer. Nur mit schönen Geschichten und Parteiparolen nahm keiner mehr die Entbehrungen auf sich; hier nur einige die wir alle kennen: 2 mal im Jahr nach Hause (welches Mädel machte das lange mit - ich kenne nur zwei OS die die Nadel im Heuhaufen gefunden haben), Einschränkungen mit Landgang und während des Landgangs (an der Schanze täglich), Perestroika und Glasnost gingen auch nicht an den jungen Leuten in der DDR spurlos vorbei (übrigens auch bei mir nicht), ständiger Kampf gegen Bakuer Unsitten usw.
Und während die Baku-Leute nur mit ein paar Märkerchen nach Hause gingen, bekamen die Absolventen an der Schanze schon richtig Geld.

In diesem Zusammenhang erinnere ich mich an unsere ungarischen Kameraden, welche mit uns den V-Kurs begannen und bei uns mit in der Klasse waren.
Begonnen haben die Ungarn als OS mit grünen Uniformen. Das hat sie schon ganz schön gewurmt zwischen all den „Blauen“. Außerdem war das Leben in Baku für die Ungarn noch mehr ein Kulturschock als für uns, so das der erste von vier Ihrer wertvollen (Aussage Ungarn) Flottillenaufbaukadern nach wenigen Monaten abbrach. Nach dem Sommerurlaub kamen sie als Fähnriche wieder (in Ungarn selbst OS wie bei uns 4 Jahre). Nach dem 1. Kurs waren sie Unterleutnant und hatten schicke blaue Uniformen.

Ja das war´s erstmal für heute. Ich werde nach und nach (so wie ich Zeit habe) meine Bakuzeit hier ins Netz stellen und hoffe diese Web-Site damit zu bereichern.
Gruss Jantar

P.S. Für die diejenigen die einen Teil dieser Zeit miterlebt haben: In Baku hieß ich kurz Uschi (für nicht wissende: mein erster öffentlicher Auftritt bei der DDR-Großdiskotek im Klubhaus (um den 7. Oktober 1986) trat ich als Nummerngirl :lol: auf, daher mein Spitzname).
Jantar
 
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