Ankunft Januar 1978

Das Leben und Studium an einer sowjetischen Lehreinrichtung

Ankunft Januar 1978

Beitragvon Stonedigger » Sa 11. Jul 2009, 09:02

Tja dann will ich mal loslegen
Bei uns war das so, dass wir die von Yachtsman beschriebenen Ankunftsroutinen durchlaufen sind, obwohl ich mich erst durch die Beschreibung zu erinnern glaube.
Das "Klappe zu Affe tot" ist uns wohl erspart geblieben. Am ersten Tag ging es gleich zum Friseur und zum Fotografen, war wohl wichtig für die diversen Dokumente. Dann war Termin man Fakultätschef KzS Djafarof. Der begüßte uns gleich mit seinem uns bisher nicht bekannten Temperament und einer Frage, die wir selbst als Sprachlaien sofort verstanden. Gde Ehm ??? Mit uns sollt nämlich Manne, der zweite Sproß vom Chef VM anreisen, aber dem hatte man wohl vorher noch gut zugeredet und er hat es sich dann anders überlegt. Als die Anwesenheit von uns verneint wurde, ging ein merkliches Aufatmen durch die Fakultätsleitung, warum auch immer? Wir zogen dann aber ein anderes Trumpf, schließlich hatten wir mit Simo, den Sohn Chef Nachrichten VM mitgebracht. Dieser mußte wegen seiner Russisch Vorkenntnisse dann auch gleich für alle übersetzen. Ich konnte durch meine Schulzeit in einer sogenannten R-Klasse (Russich ab der dritten Klasse bis zum Abitur) auch einiges ganz gut verstehen, aber ich hatte mein Buch "Briefe an Freunde" nicht einstecken und so hatte ich die passenden Antworten nicht gleich parat. Was sonst so ablief am ersten Tag, kann ich gar nicht mehr so sagen, aber wir von der 3046 hatten Glück, wir bekamen die blutjunge und bildhübsche Liana Gegetschkori als Russichlehrerin zugeteilt, in die wir uns alle fünf sofort verliebten. Abends mußten wir dann in den Clubraum einrücken und das "Programma Wremja", das ? Original ? der aktuellen Kamera oder aber nur eine schlechgemachte Übersetzung anschauen. Diese würde uns die nächste 1 1/2 Jahre jeden Abend begleiten. Mit Verspätung gesellte sich dann der 1. Kurs dazu, da es für die auch noch Pflichtfernsehen war. Wir haben natürlich nichts verstanden und uns langsam an die Vorgänger herangetastet. Schließlich wollten die ja Wissen, was es Neues in der Heimat gibt. Tja so ist das bei uns im Januar 1978 abgelaufen
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Fliegen von Interflug bis Aeroflot

Beitragvon Stonedigger » Mo 5. Okt 2009, 20:08

Ohne die Interflug wären wir wohl kaum so komfortabel nach Moskau gekommen.
Das es auch anders ging, sah man dann auf dem Weiterflug nach Baku.
Dort mußte man sich seinen Platz oft erkämpfen und evtl. mit zwei Kisten seines Nachbarn teilen.
Man konnte dort alles mit in die Kabine nehmen, was man noch mit beiden Armen tragen konnte.
Dementsprechend eng und eingefercht hat man dann die zwei Stunden bis Baku verbracht.
Ganz abgesehen, von den Wohlgrüchen von Knoblauch bis Hammel, der dort oft in der Kabine vorherrschte
Montage Interflug kl.jpg
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Die Interflug setzte hauptsächlich die IL62 (158 Plätze) ,die Tu 143 (72 Plätze) und TU154 ein.
Aber auch die Turboprop IL18 blieb uns nicht erspart. Nur Fliegen ist schöner ;-))
Auf einem Rückflug von Moskau hatten wir mal fast eine ganze Maschine nur für uns, inkl. flotter Bedienung und reichlich Bierreserven. Es waren nur noch Mitarbeiter der aktuellen Kamera an Bord, die von Dreharbeiten in Moskau zurückkehrten.
IF Flug Bericht kl.jpg
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Da die Bordelektronik immer auch eine Reserveschaltung hatte, wurde der Flugplan auch schonmal parallel durch die Reihen gereicht.
Ein Erlebnis war 1980 die Ankunft im speziell für die olympischen Spiele erbauten Tscheremetjewo 2, wo es schon die fahrbaren Gangways gab, die sich heute dem Flugreisenden als Standard darbieten. Wir waren damals zumindest von dieser bequemen Neuerung angenehm überrascht, brauchte man doch nicht mehr auf das eisige Rollfeld und auf den Shuttlebus warten.
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Re: Ankunft Januar 1978

Beitragvon Hogo » Do 8. Okt 2009, 12:10

Nur der guten Ordnung halber, und nicht um als pingelig zu gelten. Es war die TU-134 nicht 143. Eigentlich ein schönes, kleines, gemütliches Flugzeug. Ich erinnere mich an einen Rückflug von Moskau, wo wir sehr langen Aufenthalt hatten. Gegenüber dem alten Flugplatz gab es einen kleinen Lebensmittelladen, in dem man auch Bier trinken konnte. Dort trafen wir einig sowj. Fischer, die mit uns auf die Freundschaft tranken. Wir verabschiedeten sie zünftig, da sie ihren Flug erreichen mußten und sie gingen. Nach einer halben Stunde gingen wir auch. Und im Restaurant im Transitbereich trafen wir sie wieder, Ihr Flug hatte Verspätung. Wir feierten natürlich nun unser Wiedersehen mit Sekt und Wodka. Es war sehr schön. Bald verabschiedeten wir uns wieder, da nun unser Flug ging. Davon bekamen wir aber nicht mehr viel mit. Und ich glaube, auf diesem Flug mußte Herbert sich ü...., genau auf den Vordersitz und in den Nacken von Renate Blume, die vor ihm saß.. Es kann aber auch ein anderer Flug gewesen sein. Irgendetwas war ja immer. Unsere erste Ankunft in Moskau am 03.01.1977 stand schon unter einem schlechten Stern. In Baku war Schneefall und es durften keine Flugzeuge starten und landen. Und so vertrötete man uns immer wieder. 3 Tage blieben wir dort, bis wir am 06.01. spät abends in Baku eintrafen. Fast rot, da im Transitraum rote Sofas standen ,auf denen wir schliefen. Die roten Fussel passten sehr gut zu unserer blauen Matrosenuniform. Einmal mußten wir in Moskau Domodedowo das Flugzeug selber beladen, da unsere Koffer den Arbeitern zu schwer waren.
Ach so, die TU 154 wurde von der Aeroflot eingesetzt, die DDR hatte sie nur in der Regierungsfliegerstaffel im bestand. Einmal (November 1980) bin ich mit ihr von Moskau nach Berlin geflogen, in Sonderurlaub, da mein Sohn geboren war. In Moskau hatte man keinen Platz frei, so das ich warten mußte. Spät abends war dann ein Platz in einer TU- 154 frei, allerdings nur in der 1.Klasse. Das war mir aber egal. 8 Plätze davon gab es in dem Typ. Wir wurden besonders bedient, mit Sekt, Kognak und wohl auch besserem Essen als in hinteren Bereich. Jedenfalls staunte ein Oberst beim Aussteigen in Berlin, der im normalen Bereich saß, nicht schlecht, als ein kleiner Meisterdienstgrad aus der 1.Klasse kam und vor ihm aus dem Flugzeug geleitet wurde.
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Ankunft und Abflug Schönefeld

Beitragvon Stonedigger » So 11. Okt 2009, 18:10

Der Flughafen Schönefeld hatte zwei Bereiche, den alten mit der Verwaltung und das neue An- und Abflugsterminal. Desweiteren gab es ein Flughafenhotel, dort konnte man schonmal übernachten, wenn die Deutsche Reichsbahn keine passenden Verbindungen für den frühen Abflugtermin anbieten konnte.
Von einer Besucherplattform konnte die liebe Verwandschaft dann die Landungen und Starts verfolgen.
Flughafen kl.jpg
Flughafen kl.jpg (28.27 KiB) 5040-mal betrachtet

Wie auf jedem Flughafen gab es dann die Gepäck- Zoll- und die Passkontrolle. Wir wurden, da wir Uniformträger waren, meistens nach dem Begleichen des Übergepäckes durchgewunken. Bis auf einmal, da hörte ich meinen Namen und als ich mich zu erkennen gab, mußte ich zwei Herren mit meinem bereits separierten Koffer in einen Extraraum folgen. Nachdem ich bejaht hatte, dass es sich um meinen Koffer handelt, wurde ich nach mitgeführten Waffen und Munition befragt. Dieses konnte ich natürlich verneinen. Was ich nicht bedacht hatte, die Übungshandgranate für MKE und MSA fiel natürlich auch unter diese Kriterien. Diese wurde dann argwöhnisch beäugt und konfisziert. Sie lag wohl danach lange Zeit zur Abschreckung im Zollmuseum. In Baku angekommen, erstatte ich direkt beim Chef eine Selbstanzeige. Dieser war natürlich bereits bestens informiert. Da es der erste Fall in diesem Monat war, konnte man das auf dem Flughafen noch als TEGB - Training Elemente Gefechtsbereitschaft verbuchen und mir ist eine Anzeige oder Schadensersatzforderung erspart geblieben. Das MSA habe ich dann auch ohne Übungshandgranate geschafft.
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Flug Baku - Moskau als Parodie

Beitragvon Stonedigger » Mo 23. Mai 2016, 18:22

Hier mal etwas Lustiges zum Flug Baku - Moskau
Hat Hogonin beigesteuert.
https://m.ok.ru/video/80151979
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